In einer dpa-Meldung über die ranschmeißerische Münchner Facebook-Party des bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU), die in vielen Medien publiziert wurde, bin ich über ein Halbsätzchen gestolpert: Seehofer, so heißt es da, sei „mit 62 Jahren altersmäßig weit von der Generation Internet entfernt“. Das pflegt das weit verbreitete Klischee, das Web sei so eine Art Jugendmedium. Dazu ein paar Fakten: 2011 nutzten nach Zahlen des Branchenverbandes Bitkom rund 68 Prozent der 50 bis 64-Jährigen und rund 24 Prozent der über 65-Jährigen das Web. Und 60 Prozent der über 50-Jährigen sind, ergab eine neuere Studie, in Communities angemeldet. Das sagt zwar nicht viel über ihre tatsächlichen Aktivitäten aus, doch Bitkom-Präsident Professor Dieter Kempf, 59, resümiert: „Senioren erkennen zunehmend die Vorteile des Internets für soziales Leben.“
Was also ist die Generation Internet? Sind nur die Digital Natives gemeint, also die, die den Computer schon im Kinderzimmer stehen hatten? Oder die vermeintliche Klientel der Piratenpartei? Leute unter 30? Unter 40? Gehört der Worldwideweb-Entwickler Tim Barners-Lee, der nächsten Monat 57 wird, nicht zur Generation Internet? Und was ist mit Menschen wie mir – ich bin jetzt 64 und war vor nun 18 Jahren in einem kleinen Team, das Spiegel Online gegründet hat?
Das dumme Klischee hat übrigens nie gestimmt: Schon vor 13 Jahren erschien in Spiegel Spezial der Beitrag „Feier@bend mit Alt-Taste – Senioren besetzen das Internet“. Die Nutzerstruktur des Internet spiegelt eben immer mehr den demografischen Wandel. Auch wenn Seehofers Facebook-Partyversuch dafür nicht unbedingt repräsentativ war.